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STORY

Ein Gang durch das Atelier von Anna Flores ist ein Rausch der Farben und Formen. Bilder, die mit unmittelbar verständlichen Symbolen unverdorben und fröhlich spielen. Sie sprechen zum Betrachter auf einer emotionalen Ebene: keine bedeutungsschwangere Theorie versperrt den direkten Zugang zu einer Kunst, die sich über intensive Farben, verspielte Schriftfragmente und populäre Ikonen der Moderne vermittelt. 

Ein wichtiges Thema ist dabei Romantik, wie sie in der modernen Gesellschaft häufig verstanden wird, als Aufbruch in die Welt des Gefühls und Abkehr von nüchterner Sachlichkeit. Audrey Hepburn ist wie keine andere mit ihren Filmen zu einem Sinnbild der romantischen Empfindung geworden. Sie steht für traumhafte Liebesgeschichten mit märchenhaften Zügen, und sie verkörpert damit die Sehnsüchte vieler Liebender. In einer neuen Serie von Anna Flores findet sich die Schauspielerin vielfach portraitiert. Wir kennen dieses Gesicht, wahrscheinlich aber auch die bewegenden Filmmomente, die den Bildern zugrunde liegen. Im gemalten Bild werden Gesicht und Szenario zur bleibenden Ikone der Romantik verschmolzen. Die Ausschnitthaftigkeit und die Technik des Siebdrucks, die hier die Pop Art zitiert, befreien diese Ikone aber vom Pathos, der 50 Jahre alten Filmen doch manchmal anhaftet. Noch deutlicher wird das Thema Romantik bei Anna Flores durch die Rose formuliert, bei ihr ein häufiges und bevorzugtes Motiv. Die Symbolkraft der Rose in Kombination mit nostalgischen Schriftelementen ruft bei allen Liebenden Erinnerungen an Momente hervor, in denen man vielleicht selbst Rosen verschenkt oder Liebesbriefe (noch handschriftlich) geschrieben hat. Und gleich wie der Liebende sich in seinem Werben häufig am Rande des Kitsches bewegt, geht auch Anna Flores ganz selbstbewusst mit Elementen des Kitsches um: "Niemand würde doch eine echte Rose als kitschig bezeichnen, und so kann es auch ihre Abbildung nicht sein!" Der Pragmatismus, der aus dieser Bemerkung spricht, kann auch auf die Rosenbilder selbst bezogen werden, denn wenn die wirklichen Rosen längst verwelkt sind, erstrahlen die von Anna Flores immer noch in frischester Farbigkeit, dauerhaft... Die Popularität der Bilder von Anna Flores lässt sich nicht allein aus der Ausdrucksstärke ihrer Motive erklären. Ein wichtiges Element kommt noch hinzu: Die Bilder sind auch vorzüglich gemacht. Durch ein untrügliches Talent für Form- und Farbgebung und durch einen meisterlichen Umgang mit den graphischen und malerischen Techniken entstehen zauberhafte Kompositionen, die in sich ganz schlüssig und harmonisch erscheinen. Bewusst setzt die Künstlerin dabei auf die Vervielfältigung und Variation ihrer Motive. Das exklusive Unikat wird ersetzt durch das erschwingliche Multiple. Ihre Motive finden sich auf Kunstdrucken, Karten, Briefpapieren und sogar Keramikfliesen, und so haben Sie inzwischen eine weit überregionale Verbreitung gefunden. Die Beliebtheit der Motive zeugt vom menschlichen Bedürfnis nach ursprünglichen und einfachen Botschaften, und auch Menschen, die sich noch nie mit Kunst beschäftigt haben, kaufen Kunstwerke von Anna Flores. Für viele ist dies der erste Zugang zu einem Metier, das ihnen bis dahin verschlossen war, und dessen Wichtigkeit in einer Welt der synthetischen Bilder nicht häufig genug unterstrichen werden kann.

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Rosen aus Holthausen

Die Haare stehen der jungen Frau zu Berge. Eine Hand balanciert die randvolle Kaffeetasse, die andere hält sich in den Farblandschaften einer ehemals weißen Latzhose versteckt. Die frischen Kleckse changieren zwischen rosa und rot. „Wenn ich zum Bäcker gehe, fragen mich die Leute, ob ich Anstreicher bin. Den Unterschied zum Maler kennen sie nicht“, sagt Anna Flores.Ein Hinterhaus-Loft in Essen Frohnhausen, 9.00 Uhr. Zu früh für die junge Künstlerin. Kein Wunder. Schließlich steht sie auch nachts im Atelier und komponiert. So nennt Anna Flores ihre Auseinandersetzung mit Farbe, Fläche und Schrift. Eines ihrer Lieblingsmotive ist die Rose. Pastellfarben oder in satten Rottönen, bildbeherrschend oder in Serie.Kombiniert mit Handschriften berühmter Leute, unter Verwendung verschiedener Techniken: Malerei, Grafik und Siebdruck. Die einen sehen hier Einflüsse der Minimalisten, andere bezeichnen die Arbeiten als Lifestyle oder Pop.

Schön müssen sie sein

Eine Mischung aus Chaos und Ordnung: der Fußboden erinnert an die Tretgemälde eines Jackson Pollock, Farbe kreuz und quer. Dafür stehen Farbtuben und Flaschen über mehrere Regale brav in Reih und Glied. Diese Balance kennzeichnet auch die Bilder der Künstlerin. Sie ordnet ihre Blumenmotive und Schriften assoziativ über- und nebeneinander an, variiert ihre Themen, bildet Reihen oder Serien.

Durch Symmetrie und den Einsatz der quadratischen Form gleicht Flores aus, dass die verwendeten Schriften und grafischen Versatzstücke auf ihren Leinwänden keinen festen Platz haben. Häufig sind sie ungegenständlich- gespiegelt, unleserlich- und trotzdem Bedeutungsträger. “Say it with colours” heißt eine Serie, eine andere “Say it with flowers”.Anna Flores wagt die Gratwanderung zwischen Klassik, Romantik und Kitsch, unternimmt Streifzüge durch die Kunstgeschichte, unverkrampft und stilsicher.

„Ich mache keinen Hehl aus meiner Begeisterung für Rauschenberg und Warhol; Bilder kommen von Bildern. Für mich ist das wichtigste, dass sie schön sind.“

Welches Bild passt zu mir, meinem Sofa, ...

„Menschen, die eine kommerzielle Kunsthandlung aufsuchen, haben alle dasselbe Problem: Was soll an die nackte Wand? Der nicht-elitäre Kunstkäufer sagt: Ich suche ein schönes Bild, das zu meinem Sofa passt. Er sagt nicht: Ich möchte Kunst kaufen. Die ,echte‘ Kunst spricht eine schmale Elite an. Leute mit einem akademischen Verständnis, die das Geld und den Platz für solche Werke haben. Und deren Kaufentscheidung losgelöst vom dekorativen Wert des Objektes ist“, spricht die Künstlerin aus Erfahrung. Seit über 10 Jahren ist sie im Kunstgeschäft tätig. Schon als Schülerin half sie in einer Galerie aus, jobbte nach dem Abi als Galeristin und Rahmenbauerin. Nach ihrer Ausbildung zur Schauwerbegestalterin kehrte sie ins Artbusiness zurück. Als Geschäftsleiterin einer Galerie hat Flores ein unnachahmliches Gespür für Geschmacks- und Einrichtungsfragen entwickelt. Sie kennt die Lebensstile der Käufer, weiß, welche Lücke das Bild im Wohn- und Arbeitsumfeld schließen soll. Mag sein, dass sie auch deshalb als Shootingstar einer Szene gilt, die junge Kunst nicht in den Elfenbeinturm intellektueller Ansprüche sperrt, sondern selbstbewusst vermarktet.